Kann es sein, dass deine grösste Schwäche in Wahrheit deine grösste Stärke ist?

kann es sein dass deine grösste schwäche in wahrheit deine grösste stärke ist

Geschrieben von Miriam Meister

9. Juni 2024

 Wir alle haben sie – diese eine Eigenschaft, dieses eine Verhalten oder Merkmal, das uns von anderen unterscheidet und von Beginn an oft als Schwäche betitelt wird. Vielleicht wurdest du deswegen belächelt, hast nicht in die schulischen Schubladen gepasst oder wurdest gar als „anders“ abgestempelt. Doch was, wenn genau diese vermeintliche Schwäche dein grösstes Potenzial zur Entfaltung birgt, obwohl sie für dich alles andere als positiv behaftet ist?

Aus meinem Praxisalltag

In meinem Praxisalltag treffe ich häufig auf genau solche Situationen, in denen das ursprüngliche Problem plötzlich seine Bedeutung ändert. Dieser Wendepunkt in der Therapie ist für mich immer wieder faszinierend. Von einem Moment auf den anderen, geht es nicht mehr darum, ein Problem zu lösen, sondern die Perspektive zu wechseln und das, in diesem Problem verborgene Potenzial zu erkennen. Die Motivation meiner Klienten in genau diesem Moment, kehrt mit einer erstaunlichen Kraft zurück. Aus der Opferhaltung heraus entwickelt sie eine Stärke, die zuvor kaum vorstellbar war. Diese Transformation ist ein kraftvolles Zeugnis der Möglichkeiten, die in jeder vermeintlichen Schwäche verborgen liegen.

Suche die Stärke in deinen Schwächen

Unsere Gesellschaft hat eine klare Vorstellung davon, was als Stärke und was als Schwäche zu werten ist. Disziplin, logisches Denken, Hilfsbereitschaft und Anpassungsfähigkeit werden oft hoch geschätzt. Kreativität, Sensibilität, Bewegungsdrang oder auch eine lebhafte Fantasie hingegen, können als unpraktisch oder sogar störend wahrgenommen werden. Dabei liegt in genau diesen „Schwächen“ oft ein unglaubliches Potenzial.

Speziell in der Schule beobachte ich solche Vorkommnisse gehäuft. Betrachten wir ein Kind, das in der Schule ständig träumt und Schwierigkeiten hat, sich auf den Unterricht zu konzentrieren. Es wird vielleicht als unaufmerksam und faul, aber auf jeden Fall als undiszipliniert abgestempelt. Doch in Wahrheit könnte es sein, dass genau dieses Kind eine aussergewöhnliche Vorstellungskraft und Kreativität besitzt – Fähigkeiten, die in vielen Berufen von unschätzbarem Wert sind. Diese vermeintliche Schwäche, könnte der Schlüssel zu einer Karriere sein, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat.

Die Geschichte von Aussenseitern und Genies

Viele der grössten Genies und innovativsten Köpfe der Geschichte waren einst Aussenseiter, die nicht in das vorgegebene Raster passten. Albert Einstein hatte Schwierigkeiten in der Schule und seine Lehrer hielten ihn für faul und unmotiviert. Steve Jobs wurde wegen seiner unkonventionellen Art belächelt und mehrmals aus seiner eigenen Firma gedrängt. Doch ihre „Schwächen“ – Einsteins Träumereien und Jobs‘ Sturheit – waren in Wahrheit ihre grössten Stärken. Sie ermöglichten ihnen, die Welt auf eine Weise zu sehen, die anderen verschlossen blieb.

Die verborgene Stärke in dir

Es ist wichtig, dass du anfängst, deine vermeintlichen Schwächen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Anstatt sie als Mängel zu sehen, solltest du sie als einzigartige Aspekte deiner Persönlichkeit anerkennen und nichts unversucht lassen, um sie zu nutzen, damit du dein volles Potenzial entfalten kannst. Dies erfordert Mut und Selbstreflexion, aber es ist der erste Schritt in deine ganz individuelle Zukunft.

In 5 Schritten zur Potenzialentfaltung

  1. Selbstakzeptanz: Akzeptiere dich selbst mit all deinen Facetten. Verstehe, dass deine „Schwäche“ ein Teil von dir ist und dass sie einen tieferen Zweck haben könnte.
  2. Selbstreflexion: Frage dich, wie diese Eigenschaft dir in verschiedenen Situationen helfen kann und dir vielleicht auch bereits geholfen hat. Was kannst du daraus lernen? Wie kannst du sie nutzen, um deine Ziele zu erreichen?
  3. Suche nach Vorbildern: Finde Menschen, die ähnliche „Schwächen“ hatten und diese in Stärken umgewandelt haben. Lass dich von ihren Geschichten inspirieren.
  4. Kreativität fördern: Nutze deine Einzigartigkeit als Quelle deiner Inspiration. Vielleicht findest du innovative Lösungen oder kreative Ansätze, die anderen verborgen bleiben.
  5. Umfeld schaffen: Umgebe dich mit Menschen, die deine Stärken erkennen und dich unterstützen. Ein positives Umfeld kann einen grossen Unterschied machen.

So vieles wäre möglich, wenn…

Schon so oft durfte ich Menschen durch genau solche Transformationsprozesse begleiten.

Wenn ich heute eines verstehe dann, dass wir damit aufhören müssen, unsere Kinder mit aller Kraft in Schubladen zu stecken, in welche sie einfach nicht hineinpassen. Dass, was wir diesen Kindern antun, nennt man Zwangsanpassung. Man könnte meinen, dass wir mit allen unserer heutigen Möglichkeiten und unserem Wissen, sehr viel weiter sein sollten. Doch tatsächlich sind wir das leider nicht. Vielleicht sollte man sich auch einfach mal die Frage stellen, ob wirklich alle Kinder den Schulstoff auf diese Art und Weise, wie er vermittelt wird, verstehen können. Keines der Kinder darf vergessen werden, schliesslich verbringen sie einen grossen Teil ihres Lebens in der Schule und diese ist in höchstem Masse prägend. 

Die Geschichte vom Leben und Überleben

Ich begleite viele Kinder und auch Erwachsene, welche vor unüberwindbaren Herausforderungen stehen, die sie selber nicht mehr angehen können, weil sie völlig blockiert sind. Ich weiss heute, dass Kinder, welche zwangsangepasst wurden, je nach Situation sogar mit Medikamenten, es im Erwachsenenalter nicht mehr schaffen, Freude und Motivation für ihre Tätigkeit, ihren Beruf, geschweige denn für ihr Leben, zu finden. Es sind dann auch die Kinder, die ihre angestaute Energie, ihre immer stärker werdende innere Wut und Ohnmacht, wiederum anders ausdrücken werden, als es die Gesellschaft duldet. Es ist ein Leben, in welchem jeder Tag dem anderen gleicht, sie tun das, was sie tun müssen, denn das hat man ihnen beigebracht, das haben sie gelernt. Sie versuchen mit aller Kraft auf dem Weg zu bleiben und sich so unauffällig wie möglich verhalten. Den Preis, welchen diese Menschen für solch ein Leben bezahlen, ist unglaublich hoch. Irgendwann, beinahe unbemerkt, wechseln sie dann vom Leben zum Überleben. Was da dann schliesslich als Erschöpfungszustand oder gar Burnout diagnostiziert wird, hat in Tat und Wahrheit aber eine ganz andere Ursache.

Stehlen darf man nicht!

Jeder Mensch geht anders mit Herausforderungen um. Wenn man diesen Menschen, diese ureigene Strategie, bereits im Kindesalter raubt, nimmt man ihnen das, was sie für ein glückliches Leben brauchen. Wir dürfen niemals vergessen, dass jeder Mensch genauso, wie er ist, richtig ist. Wenn das nicht so wäre, dann gäbe es ihn nicht. So funktioniert die Evolution.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es nicht möglich ist, dauerhaft, sprich ein Leben lang, gegen seine innersten Emotionen und seine innersten Überzeugungen zu leben!

Deine ureigene Kraft

Es macht mich jedes Mals auf Neue wieder dankbar und demütig, welch unglaubliche Kraft, ein Mensch zu Tage fördern kann, wenn ich ihn, in der Annahme seiner Schwächen bestärke und er in die Umsetzung kommt. «Der Nebel lichtet sich und ich kann endlich die Sonne wieder sehen», das hat mir vor kurzem ein Burnout-Klient nach einer Sitzung gesagt.

Unsere grössten Schwächen können tatsächlich unsere grössten Stärken sein, wenn wir bereit sind, sie in einem neuen Licht zu sehen. Das erfordert Mut, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, sich selbst zu akzeptieren und weiterzuentwickeln. Lass dich nicht von der Meinung anderer entmutigen – entdecke das Potenzial, das in dir steckt, und nutze es, um deine Träume zu verwirklichen.

Es ist an der Zeit, die Perspektive zu wechseln und die Einzigartigkeit jeder deiner Eigenschaften anzuerkennen. Denn oft sind es genau diese Dinge, die für uns so unglaublich wertvoll sind!

Herzlich Miriam Meister

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