Ready to retreat?

Geschrieben von Miriam Meister

10. April 2023

Oft werde ich gefragt, warum um Himmels Willen ziehst du dich immer mal wieder einen ganzen Tag lang zurück in die Stille. Diese Retreats sind doch einfach nur ein aktueller Trend.

Tatsächlich mag das sein, dass solche Retreats eine Modeerscheinung sind. Ein wunderbarer Trend, wie ich jedoch finde.

In meiner Praxis begegne ich oft Menschen, mit Beschwerden aller Art. Der eigentliche Ursprung für die meisten dieser Beschwerden sind stressbedingt. Manchmal ist es nicht einmal die momentane Situation, die Stress verursacht. Es kann gut sein, dass es sich um vergangene Erlebnisse handelt, welche diese Menschen auch heute immer wieder in dasselbe Stressmuster versetzt.

Wie nützlich ist dein Autopilot-Modus?

Wenn du dir vorstellst, wie du mit dem Tempomat auf der Autobahn von A nach B flitzt, kann es durchaus sein, dass du das als entspannend wahrnimmst. Zumindest entspannender als diese ständige Stop-and-go Geschichte. Dennoch verlierst du in dieser Situation ein wenig an Flexibilität und vielleicht bist du dann auch nicht mehr so reaktionsfähig, da die Aufmerksamkeit nicht mehr auf dem Fahren selbst liegt.

Ähnlich verhält es sich mit dem Autopilot-Modus im Alltag. Körper und Geist funktionieren in diesen Stressmomenten mehrheitlich automatisch.  Es passiert einfach, scheinbar ohne dass man etwas dagegen unternehmen könnte.

Das stimmt so nicht!Eher haben wir verlernt, diese Automatismen zu erkennen. Was einem nicht bewusst ist, kann auch nicht verändert werden. Ergo ist es nicht so, dass du nichts dagegen tun könntest, aber du musst wieder lernen, dass du jederzeit in dein Tun eingreifen kannst.

Behalte mit Meditation und Achtsamkeit jederzeit deine Flexibilität

Genau dann kann dir die Achtsamkeit und die Meditation ein wertvoller Begleiter sein.

In der Meditation lernst Du, dass Du allein die Verantwortung für deine Gedanken und Handlungen hast und dies in jedem einzelnen Moment. Sie ist viel mehr, als einfach nur dasitzen und nichts tun. Es geht darum, den Geist zu zähmen und ihm nicht immer überall zu folgen, wo er gerade hinmöchte.

Wenn du eine Zeit lang deinen Geist beobachtest, wirst du feststellen, dass sich dieser permanent in der Vergangenheit oder in der Zukunft befindet, selten im Hier und Jetzt. Wie wir alle wissen, können wir die Vergangenheit nicht ändern und auch die Zukunft nicht voraussehen.

Unser Ausgangspunkt ist immer die Gegenwart. Hier stehen wir und von hier aus geht unsere Reise weiter. Auch wenn es sich an diesem Ort, an dem wir uns gerade befinden nicht gut anfühlt, so ist es doch der einzig wahre Ort.

Die Meditation als Anker

Kennst du das, dass du dich über eine Person aufregst, ja sogar mit ihr streitest und eigentlich nicht merkst, dass sie überhaupt nicht da ist. Sie hat gerade nichts von all dem gesagt oder getan, was du dir vorgestellt hast. Dieses ganze Gespräch hat nur in deinem Kopf stattgefunden. Dennoch hat dein Körper biochemisch genauso reagiert, als ob diese Person da gewesen wäre. Es hat sich genauso angefühlt, als ob….

In der Meditation geht nicht darum, sich verändern zu müssen, irgendwo anders hinzugehen, etwas zu kaufen oder etwas Bestimmtes zu tun, auch wenn ich diese Meinung öfters zu hören bekomme. Vielmehr geht es darum, im Hier und Jetzt wach zu werden.

Um aus diesem Autopilot-Modus auszubrechen, kann dich die Meditation unterstützen. In der Meditation ist der Atem ein wichtiger Anker. Ihn haben wir immer dabei und er ist uns schon unser ganzes Leben lang vertraut. Das Tolle am Atem ist, dass er immer gerade jetzt geschieht.

Die meisten Menschen, mit welchen ich zusammen meditiere sagen, dass sie sich nicht bewusst waren, wie sich der Atem wirklich anfühlt. Natürlich wissen wir alle, dass wir heute hier stehen, weil wir die ganze Zeit geatmet haben. Aber wann, hast du das letzte Mal deinen Atem bewusst wahrgenommen?

Der Atem hat etwas stark Entschleunigendes. Daher ist für mich der erste Kontakt mit der Aussenwelt, nach einem Retreat, immer wieder eine besondere Erfahrung. Tatsächlich hat sich die Welt in dieser Zeit für mich etwas langsamer gedreht. Die Hetze im Alltag erscheint mir dann beinahe unwirklich.

Die Meditation ist absolut alltagstauglich

Oft werde ich gefragt, was mir der Retreat bringt, wenn ich danach wieder in meinen «gewohnten» Alltag zurückkehre.

Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass sich sowohl der Geist, wie auch der Körper im Alltag an diese Auszeit erinnern kann. Die Wahrnehmung ist bewusster und es fühlt sich beinahe an, als ob ein Reset-Knopf gedrückt wurde. Die Sicht auf die Dinge kann tatsächlich eine andere sein, als zuvor. Vermutlich wirst du auch schnell merken, dass du konzentrierter sein kannst und auch eher bemerkst, wenn deine Gedanken und Handlungen in den Autopilot-Modus abschweifen.

Ich möchte dich hiermit ermuntern, dich regelmässig auf die Meditation einzulassen. Es muss auch nicht gerade ein Retreat sein. Den spürbaren positiven Effekt erreichst du bereits mit anfänglich fünf bis zehn Minuten Meditation am Tag.

Wenn Du Fragen rund um das Thema Meditation, Achtsamkeit und Retreats hast, melde dich gerne bei mir.

Ich wünsche Dir nun einen wundervollen Ostermontag, mit vielen achtsamen Momenten.
Alles Liebe

Miriam

Diese Artikel könnten dir auch noch gefallen…

Glaube nicht alles was du denkst

Glaube nicht alles was du denkst

Gedanken sollten kritisch hinterfragt werden, um eine erfülltere und positivere Lebensweise zu kultivieren. Durch Selbstreflexion und die bewusste Wahrnehmung der Gedanken können wir die Kontrolle über unser Denken übernehmen und neue Wege gehen.