Vielen Frauen ist das Prämenstruelle Syndrom (PMS) ein Begriff und sie stellen sich mit den entsprechenden Beschwerden bei mir in der Praxis vor. Was oft nicht bekannt ist, ist die schwere Variante des PMS, die sogenannte PMDD (prämenstruelle dysphorische Störung) Hinzu kommen manchmal noch die Vorboten der Prämenopause. Nun haben wir das Problem, dass sich die Symptome dieser drei Beschwerdebilder überlappen und auf den ersten Blick oft keine genaue Zuweisung zulassen. Der Schlüssel liegt im Verlauf über den Zyklus hinweg und in der Intensität.
Einordnung
PMS
Die Beschwerden steigen in den zwei Wochen vor der Blutung an und klingen mit Beginn der Periode in wenigen Tagen ab. Typisch sind Brustspannen, Krämpfe, Blähungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Unruhe, Reizbarkeit, Traurigkeit, Heisshunger, schlechter Schlaf und Schwierigkeiten sich zu konzentrieren. Die Intensität variiert massiv. Die einen können ihren Alltag trotzdem gut bewältigen, andere schaffen es kaum aus dem Bett. Erfahrungsgemäss verschiebt Stress die Skala spürbar nach oben.
PMDD
Die Symptome ähneln denjenigen des PMS, fühlen sich aber wie eine andere Grössenordnung an. Die psychische Belastung steht oft im Vordergrund. Frauen berichten über tiefe Traurigkeit, starke Angst, Panikattacken, heftige Stimmungsschwankungen, Rückzug, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen. Diese Phase kann bis zu zwei Wochen pro Zyklus oder sogar noch weit darüber hinaus komplett blockieren. Das Erleben ist real und keine Einbildung, das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich betonen. In der Anamnese finden sich häufig frühes starkes PMS, Stimmungsthemen oder auch eine familiäre Häufung.
Prämenopause
Die Zyklen sind meist noch vorhanden, werden aber subtil anders. Erste Zyklusverschiebungen, kürzere 2. Zyklusphase, stärkere oder längere Blutungen, empfindlichere Brüste, Kopfdruck und mehr Reizbarkeit sind häufig. Hormone beginnen zu schwanken, ohne dass die Perioden unregelmässig ist, wie dies in der Perimenopause der Fall ist. Genau deshalb wirken viele Beschwerden wie beim PMS, treten aber früher, stärker oder länger auf als gewohnt. Gelegentlich zeigen sich bereits erste Hitzewallungen oder nächtliches Schwitzen.
Woran erkennt man den Unterschied
- Treten die Beschwerden verlässlich in der zweiten Zyklushälfte auf und lösen sich mit der Blutung, dann passt das zu PMS.
- Sind die psychischen Symptome sehr stark, beeinträchtigen den Alltag und dauern viele Tage, dann denke eher an PMDD.
- Wirken die Beschwerden wie PMS, beginnen aber früher, halten länger an, und zeigen sich parallel mit ersten Veränderungen der Blutungsstärke, der Zykluslänge oder der Stimmungstoleranz, dann passt das zur Prämenopause.
- Verstärktes PMS und PMDD sind in der Prämenopause häufig. Das liegt an stärker schwankenden Hormonspiegeln bei weiterhin vorhandener Ovulation.
Zyklusbeschwerden richtig einordnen
- Treten die Beschwerden nur in der zweiten Zyklushälfte auf und klingen 1–3 Tage nach Blutungsbeginn ab? PMS
- Sind Stimmungseinbruch, Angst, Reizbarkeit oder Panik so stark, dass Alltag, Arbeit oder Beziehungen an mehreren Tagen deutlich leiden? PMDD
- Beginnen die Beschwerden ein paar Tage eher als dies früher der Fall war, halten länger an und tauchen teils auch ausserhalb der 2. Zyklushälfte auf? Prämenopause
- Haben sich Zykluslänge, Blutungsstärke oder Abstände in den letzten 6–12 Monaten sichtbar verändert? Prämenopause
- Gibt es wiederholt Vorblutungen oder Schmierblutungen vor der eigentlichen Periode? Prämenopause
- Treten Hitzewallungen oder Nachtschweiss zusätzlich zu den Zyklusbeschwerden auf? Prämenopause
- Bleiben die Zyklen sonst regelmässig im Bereich etwa 24–35 Tage ohne grössere Ausreisser? PMS oder PMDD
- Wiederholen sich die Beschwerden in mindestens zwei von drei Zyklen im gleichen Zeitfenster nach dem Eisprung? PMS oder PMDD
- Überwiegen körperliche Zeichen wie Brustspannen, Krämpfe, Blähungen, Kopfschmerz, während die Stimmung beeinträchtigt ist, aber tragfähig bleibt? PMS
- Kommen tieftraurige Phasen, ausgeprägte Angst, Wutausbrüche, Schlaflosigkeit und sozialer Rückzug wiederholt in der zweiten Zyklushälfte vor? PMDD
Die Antworten verstehen sich lediglich als Orientierung, ersetzen aber keine umfassende therapeutische Abklärung.
Ähnliche Symptome und trotzdem eine andere Ursache
Auch andere Veränderungen können PMS, PMDD oder die Prämenopause nachahmen.
Schilddrüse
Sowohl eine Unterfunktion als auch eine Überfunktion der Schilddrüse beeinflussen den Zyklus, die Stimmung, die Energie und das Temperaturempfinden und können PMS ähnliche Beschwerden auslösen.
Eisenmangel und Blutarmut
Ein Mangel an Eisen oder Hämoglobin führt zu Müdigkeit, Kopfschmerzen, Reizbarkeit und Leistungsabfall und kann PMS sehr ähnlich wirken.
Polyzystisches Ovarialsyndrom
Das Polyzystisches Ovarialsyndrom führt zu unregelmässigen Zyklen bis hin zur Anovulation und begünstigt Spannungsgefühle, Hautveränderungen, Gewichtszunahme und Stimmungsschwankungen.
Erhöhtes Prolaktin
Ein erhöhter Prolaktinspiegel stört den Eisprung und den Zyklus und kann zu Schmierblutungen, Brustspannen, Libidoverlust, Kopfschmerzen und Sehstörungen führen.
Stimmungsstörungen
Depressionen, Angststörungen, bipolare Störung oder ADHS können zyklusunabhängig schwanken und PMS oder PMDD imitieren.
Migräne und Schlafstörungen
Hormonelle Migräne und Schlafapnoe verstärken Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme, Tagesmüdigkeit und Kopfschmerzen und wirken dadurch wie PMS.
Medikamente und Substanzen
Hormonelle Verhütung, das Absetzen oder der Wechsel von Hormonpräparaten, Steroide, SSRI, Stimulanzien, Alkohol und viel Koffein verändern Schlaf, Stimmung und auch Blutungen.
Stoffwechsel und Mangelzustände
Ein Mangel an Vitamin D, Vitamin B12 oder Magnesium sowie starke Blutzuckerschwankungen, beeinträchtigen Energie, Stimmung und Muskelfunktion und können PMS ähneln.
PMS, PMDD und Prämenopause verlaufen in unterschiedlichen Mustern, die sich oft überlagern. Mit einem klaren Blick auf den Verlauf und mit wenigen verlässlichen Routinen und einer gezielten naturheilkundlichen Unterstützung, wird das Beschwerdebild erfahrungsgemäss deutlich ruhiger.
Ich bin gerne für dich da.



