Abnehmspritze und jetzt …?

Abnehmspritze und jetzt?

Geschrieben von Miriam Meister

4. Februar 2026

Medikamente wie Wegovy oder Mounjaro werden immer häufiger eingesetzt, um beim Abnehmen zu unterstützen und dies oft auch mit Erfolg. Viele Menschen erleben damit nämlich genau das, was lange schwierig war. Der Appetit wird kleiner, die Portionen werden automatisch reduziert und das Gewicht sinkt.

GLP-1-basierte Medikamente wirken unter anderem über ein stärkeres Sättigungsgefühl und eine verlangsamte Magenentleerung.

Das kann sehr entlastend sein. Gleichzeitig bringt diese Therapie aber auch einen Punkt mit sich, über den noch zu wenig gesprochen wird.

Wenn wir deutlich weniger essen, kann auch die Nährstoffaufnahme sinken.

Und genau das sehe ich in meiner Praxis immer häufiger.

Weniger Appetit bedeutet nicht automatisch bessere Ernährung

Medikamente wie Wegovy, verändern vor allem das Hungergefühl und die Sättigung. Viele Menschen berichten, dass sie plötzlich nur noch kleine Portionen essen können.

Was sich dadurch aber nicht automatisch verändert, ist die Ernährungsqualität.

Wenn jemand vorher eher nährstoffarm gegessen hat, also viele Kalorien, aber relativ wenig Vitamine, Mineralstoffe und Eiweiss, dann ändert sich diese Ernährungsstruktur oft auch nicht unter einer GLP-1-Therapie.

Nährstoffdichte vor Energie

Die Kalorienmenge sinkt, die Nährstoffdichte verbessert sich aber nicht automatisch.

Dieses Phänomen wird in der Ernährungsmedizin auch als overfed but undernourished beschrieben. Die Patienten sind gut mit Energie versorgt, aber gleichzeitig unterversorgt mit wichtigen Mikronährstoffen. Diese Mängel kommen durch eine Gewichtreduktion vermehrt zum Vorschein. Sie waren aber in den meisten Fällen auch schon vorher ein Thema.

Neueste Daten zeigen, dass nach Beginn einer GLP-1-Therapie tatsächlich häufiger auch Nährstoffdefizite auftreten.

Unter anderem wurde besonders häufig ein Vitamin-D-Mangel festgestellt.

Wenn ich die Ernährungsprotokolle meiner Klientinnen unter Wegovy anschaue, zeigen sie häufig, dass weniger Nährstoffe aufgenommen werden als empfohlen.

Eiweiss, der unterschätzte Makronährstoff

Wenn Menschen weniger essen, fällt häufig auch die Eiweissaufnahme deutlich ab.

Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) nennt als Referenzwert etwa 0,8 g Eiweiss pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag.

In der Ernährungswissenschaft hingegen wird zunehmend diskutiert, dass diese Menge eher eine Minimalempfehlung zur Vermeidung eines Mangels darstellt und nicht unbedingt eine optimale Versorgung.

Neuere Studien zeigen, dass selbst ohne Gewichtsreduktion viele Menschen zu wenig Eiweiss aufnehmen und das kann ich aus Erfahrung in meiner Praxis bestätigen.

Auffällig ist dies besonders bei Menschen mit:

  • körperlicher Aktivität
  • höherem Alter
  • Gewichtsabnahme
  • hormonellen Veränderungen

Gerade während einer Gewichtsreduktion ist Eiweiss wichtig, weil sonst neben Fett auch Muskelmasse verloren geht.

In der Praxis sehe ich häufig, dass Wegovy-Anwenderinnen teilweise nur noch sehr kleine Mahlzeiten essen, wie manchmal nur etwas Joghurt oder ein kleines Stück Brot. Damit wird der tägliche Eiweissbedarf oft nicht mehr ausreichend gedeckt.

Muskelmasse und Energie

Wenn während einer Gewichtsreduktion zu wenig Eiweiss aufgenommen wird und gleichzeitig wenig Bewegung stattfindet, verliert der Körper sehr schnell an Muskulatur.

Das kann langfristige Folgen haben:

  • geringerer Grundumsatz
  • schnelleres Wiederzunehmen nach der Therapie
  • weniger Kraft und Stabilität
  • stärkere Müdigkeit

Darum wird in Studien zunehmend betont, wie wichtig Krafttraining und eine ausreichende Eiweisszufuhr während einer GLP-1-Therapie sind.

Auswirkungen auf die Knochengesundheit

Starker Gewichtsverlust kann auch massive Auswirkungen auf die Knochengesundheit haben.

Studien zeigen, dass bei vergleichbarem Gewichtsverlust die Knochendichte stärker sinken kann, wenn nur das Medikament eingesetzt wird, aber kein begleitendes Training stattfindet.

Darum wird heute häufig empfohlen:

  • ausreichend Calcium über die Ernährung
  • gute Vitamin-D-Versorgung
  • regelmässige Bewegung, idealerweise mit Krafttraining, um Muskelreize zu schaffen

Streitthema Vitamin D3

Die SGE empfiehlt im Winter eine tägliche Aufnahme von etwa 20 µg (800 I.E.) Vitamin D3 pro Tag. Im Sommer sei bei genügender Sonnenexposition keine zusätzliche Gabe nötig.

Gleichzeitig zeigt die aktuelle Studienlage, dass diese Menge in vielen Fällen nicht ausreicht, um optimale Blutspiegel zu erreichen. In meiner Praxis habe ich bisher noch nie eine Klientin oder einen Klienten mit genügend hohem Vitamin-D3-Spiegel gesehen, ohne das nicht bereits Vitamin D verabreicht wurde.  

Wie hoch eine Vitamin D-Supplementierung aber tatsächlich sein soll, hängt stark vom individuellen Ausgangswert ab. Darum ist es immer sinnvoll, den Vitamin-D-Spiegel im Blut bestimmen zu lassen, um die Versorgung gezielt anzupassen. Eine blinde Zufuhr von hochdosiertem Vitamin D3 ist nicht empfehlenswert.

Haarausfall und Gewichtsreduktion

Ein Thema, das viele Frauen beschäftigt, ist der Haarausfall während einer schnellen Gewichtsabnahme. Dabei spielt es keine Rolle, ob es unter Wegovy und Co. passiert oder über eine Ernährungsumstellung mit Bewegung. 

Haarausfall wird auch in der Packungsbeilage von Wegovy als mögliche Nebenwirkung erwähnt. In vielen Fällen handelt es sich um ein sogenanntes telogenes Effluvium.

Dabei reagieren die Haarwurzeln auf Stress, wie zum Beispiel:

  • rascher Gewichtsverlust
  • zu geringe Energiezufuhr
  • niedrige Eiweissaufnahme
  • Eisenmangel
  • Zinkmangel
  • Vitamin-D-Mangel

Oft beginnt der Haarausfall 2–3 Monate nach der Gewichtsabnahme.

In der Praxis sehe ich das öfters und nicht nur in Zusammenhang mit einer Gewichtsreduktion. Wenn Frau zu viele Haare auf einmal verliert, ist die Leidensgrenze schnell erreicht und der Weg ebnet sich für eine ganzheitliche Therapie.

Fokus auf Verdauung und Flüssigkeitsaufnahme

Ein weiterer Punkt, den viele Wegovy-Anwenderinnen berichten, sind Verdauungsprobleme.

Durch die verlangsamte Magenentleerung und die kleinere Nahrungsmenge kann es häufiger zu:

  • Verstopfung
  • Übelkeit
  • Blähungen
  • frühem Sättigungsgefühl

kommen.

Hier helfen oft einfache Dinge, wie:

  • ausreichend trinken
  • ballaststoffreiche Lebensmittel
  • regelmässige Bewegung
  • kleinere, gut verträgliche Mahlzeiten

Meine Message für DICH

Medikamente wie Wegovy können beim Abnehmen unterstützen. Sie ersetzen aber keine gesunde Ernährung mit einer ausreichenden Nährstoffqualität.

Es geht also nicht nur darum, wieviel du isst. Genauso wichtig ist es darauf zu achten, dass du genügend Nährstoffe zu dir nimmst.

So kann dir deine erfolgreiche Gewichtsreduktion ganz viel Freude bereiten und sie kann gleichzeitig auch zu mehr Energie, Stabilität und langfristiger Gesundheit führen.

Wenn du Wegovy oder ein ähnliches Medikament verwendest und unsicher bist, wie du deine Ernährung optimal gestalten kannst, unterstütze ich dich gerne dabei, deine Nährstoffversorgung sinnvoll und alltagstauglich zu gestalten.

Herzlich Miriam Meister

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