Geschrieben von Miriam Meister

15. August 2021

Achtsamkeit ist in der heutigen Zeit voll im Trend. Oft begegne ich in meiner Praxis Klienten, welche bereits einen MBSR-Kurs absolviert haben und sich mehr oder weniger intensiv mit der Achtsamkeit beschäftigen.

Auch ich greife in meinem Praxisalltag oft auf die unzähligen Möglichkeiten des Achtsamkeitstrainings zurück.

Ein zentraler Grundgedanke der Achtsamkeit ist die Fähigkeit des Nicht-Bewertens. Häufig stelle ich fest, dass diese Vorstellung für Verwirrung sorgt. Entsprechend hart, gehen Praktizierende mit sich in Gericht, wenn dieser Punkt einmal nicht eingehalten werden konnte. Und was passiert? Das Nicht-Bewerten, hat bereits zum zweiten Mal nicht funktioniert.

Dieser Frust ist allerdings gar nicht nötig.

Warum

Eine Aktion bewirkt eine Reaktion…immer. Dieses Gesetz kennt wohl jeder aus dem Bereich der Physik. Dieses Phänomen kennen wir auch bei unserer Wahrnehmung. Wir denken täglich über 60’000 Gedanken. Diese bilden sich aus unserer jeweiligen Wahrnehmung. Auf jede Wahrnehmung erfolgt, entsprechend dem physikalischen Gesetz, eine Reaktion. Wichtig gilt es dabei zu beachten, dass dies unbewusst innert Sekundenbruchteilen passiert.

Was läuft da aber genau ab?

Wir nehmen etwas mit einem oder mehreren von unseren 5 Sinnen wahr. Blitzschnell reagiert unser Unterbewusstsein auf diese Wahrnehmung und gleicht diese mit unseren angeeigneten Mustern und Glaubenssätzen ab. Daraufhin folgt, ebenfalls unbewusst, ein Gefühl. Je nach dem, wie dieses Gefühl gewichtet wird, ob es sich gut oder schlecht anfühlt, befinden wir uns bereits im «unbewussten» Werten. Nach diesem unwillkürlichen Vorgang, kommt es zur Bildung der eigentlichen Intention im Hinblick auf das angestrebte Ziel. Und erst jetzt, kommt es zu einer, von aussen sichtbaren Reaktion.

Lange Rede, kurzer Sinn, das Fazit lautet, bevor wir überhaupt aktiv auf ein Ereignis reagieren können, nimmt unser Hirn bereits die ersten Wertungen vor und das ohne, dass wir hier unmittelbar etwas dagegen unternehmen können.

Daraus folgt, dass wir gar nicht, Nicht-Werten, können, denn jede Entscheidung und jede Reaktion basiert auf einer Bewertung. Das unbewusste Werten auf der Basis unserer Wahrnehmungsfilter ist in unserem Alltag essentiell und auch absolut in Ordnung,

Im Achtsamkeitstraining geht es darum, sich selbst, andere Menschen, Dinge, Aktionen etc. bewusst nicht zu bewerten. Das Wörtchen «bewusst», ist hier entscheidend. Denn nur und wirklich nur dann, wenn uns das Werten bewusst wird, können wir aktiv etwas daran ändern. Sich nach einer autonomen Wertung zu beschuldigen, bringt überhaupt nichts.

Es ist also ein Unterschied, ob Du überhaupt nicht werten darfst, oder ob Du Dich darin übst, bewusst nicht zu Bewerten. Denn zweifellos hat niemand das Recht bspw. über eine Person zu werten, dennoch passiert dies unbewusst innerhalb von Millisekunden. Ist eine Person sympathisch oder eher nicht? Sich dafür zu schämen oder sich sogar innerlich dafür zu tadeln ist nicht zielführend. Viel mehr geht es darum zu bemerken, was da gerade geschieht. Schärft man seine Wahrnehmung, hat man in solchen Situationen auch immer die Möglichkeit, seine Gedanken und seine Haltung zu steuern.

Sei achtsam mit Dir und Deiner Umwelt und versuche einmal BEWUSST nicht zu werten. Du wirst bemerken, dass Achtsamkeit mit diesem Wissen im Gepäck viel einfacher funktioniert.

Deine Miriam Meister

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